{"id":5055,"date":"2025-01-30T17:07:39","date_gmt":"2025-01-30T16:07:39","guid":{"rendered":"https:\/\/galerie-klaus-benden.de\/?post_type=artist&#038;p=5055"},"modified":"2025-01-30T17:07:39","modified_gmt":"2025-01-30T16:07:39","slug":"yun-wang","status":"publish","type":"artist","link":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/artist\/yun-wang\/","title":{"rendered":"Yun Wang"},"content":{"rendered":"<p>Die Inspirationen zu den \u00d6lgem\u00e4lden von Yun Wang sind \u00e4u\u00dferst vielf\u00e4ltiger und oft auch spannungsreicher Natur. Die K\u00fcnstlerin bezieht sie aus eigenen Tr\u00e4umen, der zeitgen\u00f6ssischen Kultur, aber auch aus ihrer Herkunft, der alten chinesischen Philosophie und der Tuschmalerei.<\/p>\n<p>Der Malprozess gestaltet sich als ein langsames Finden und Tasten. Er steht damit im Gegensatz zur Praxis, ein Bildkonzept en detail festzulegen und anschlie\u00dfend auf die Leinwand zu \u00fcbertragen und dort umzusetzen. Die Entwicklung eines Bildes verl\u00e4uft bei Wang hingegen stufenweise, wobei das Ende oft nicht absehbar ist und \u00dcbermalungen h\u00e4ufig dazwischentreten. Ist der Malprozess (vorl\u00e4ufig) abgeschlossen, entsprechen die Bilder zumeist nicht mehr den urspr\u00fcnglichen Entw\u00fcrfen, die Wang gedanklich skizziert hatte. Die K\u00fcnstlerin \u00f6ffnet sich beim Malen pl\u00f6tzlichen Eingebungen, was zu schwer absehbaren formalen und farblichen Ergebnissen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Aus dieser Vorgehensweise resultiert ein schichtf\u00f6rmiger Aufbau der Bilder aus mehreren d\u00fcnnen Farbauftr\u00e4gen, wodurch die anf\u00e4nglich aufgetragenen Farben immer undeutlicher werden. Die Assoziation dieser Schichten mit einem transparenten Stoff oder einem Schleier liegt hier nahe, dessen geheimnisvolle Wirkung in der Undeutlichkeit liegt, die er hervorzurufen vermag. Der Effekt dieser schleierhaften Malschichten ist eine bestimmte Tiefe der Bilder, die nichts mit einem perspektivischen Durchblick zu tun hat, sondern mit einem visuellen Abtasten des semitransparenten Bildk\u00f6rpers.<\/p>\n<p>Motivisch sind die Bildwelten von Yun Wang meist stark von surrealen Momenten gepr\u00e4gt. Oft f\u00fchlt man sich in alptraumhafte Szenen versetzt, in denen manifest gewordene Trauminhalte indirekt auf die Fabrikationen des Unbewussten verweisen. Die grellen und expressiven Farben, die sich den Betrachtenden mitunter fast aufdr\u00e4ngen, tragen zu diesem Eindruck zus\u00e4tzlich bei. Die Kombination kontrastierender Farbt\u00f6ne, wie etwa von Rot und Gr\u00fcn, f\u00fchrt zu Spannungen im Gef\u00fcge der Bilder, die sich auf die Betrachtenden fortsetzen. Wangs Bildwelten wollen nicht blo\u00df realistisch gesehen werden, sondern sind voller R\u00e4tsel, Symbole und Metaphern, gef\u00fcllt mit bildhaften Ausdr\u00fccken verborgener Bedeutungen, die zu ihrer Entschl\u00fcsselung Ans\u00e4tze liefern. Gerade die realistischen Elemente stellen in ihrer Kombination aber den fruchtbaren Boden f\u00fcr die surreale Saat dar, die merkw\u00fcrdige Bl\u00fcten treibt \u2013 die Realit\u00e4t bildet derart die Grundlage ihrer eigenen \u00dcberschreitung.<\/p>\n<p>Das Motiv des Wassers spielt in Wangs \u00d6lgem\u00e4lden eine zentrale Rolle. Oft nimmt es dabei surreale, traumartige Qualit\u00e4ten an, etwa wenn ein Zimmer gezeigt wird, das voll von Wasser ist, in dem Menschen schwimmen. Die besondere, fl\u00fcssige Beschaffenheit des Wassers und seine vielf\u00e4ltigen Effekte werden von Wang in ihren Bildern voll ausgespielt. So deutet sie nicht nur Spiegelungen auf seiner Oberfl\u00e4che an, sondern ein Zerflie\u00dfen der Figuren selbst, die mit dem Wasser in Ber\u00fchrung kommen und darin eintauchen. Das Motiv des Wassers mit seinen Spiegelungen, seinem gravit\u00e4tischen Fluss nach unten, seinen Effekten des Zerflie\u00dfens legt gleichzeitig auch die Farbmaterialien offen, aus denen es selbst, aus denen das gesamte Bild gemacht ist. Wasser\/Fl\u00fcssigkeit tritt zur gleichen Zeit sowohl motivisch-gegenst\u00e4ndlich, als auch strukturell auf \u2013 als Bildgegenstand und dessen tragender Grund, der selbst in Bewegung ist. Mit dem Element des Wassers verbunden ist das Motiv des Bootes, das ebenfalls wiederholt in Wangs Bildern auftritt. Manchmal vermischen sich wolken\u00e4hnliche K\u00fcrzel mit den Farbschlieren des Wassers, wodurch die Trennung der Elemente aufgehoben wird \u2013 ob man eine Welle oder eine Wolke betrachtet, ist dann schwer zu entscheiden. Oft f\u00fcgt Wang der viskosen \u00d6lfarbe soviel Terpentin zu, dass sie Fl\u00fcssigkeiten wie Wasser nicht mehr nur imitiert, sondern selbst fl\u00fcssig wird, was zu Momenten gesteuerten Zufalls in Form von Rinnspuren f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Bez\u00fcge auf die chinesische Tradition der Tuschmalerei finden sich in Wangs Werken sowohl in technischer als auch in motivischer Hinsicht. Wird die \u00d6lfarbe stark mit Terpentin verd\u00fcnnt, so n\u00e4hert sie sich der Konsistenz der Tusche an. Motivisch und kompositorisch sind wiederholt Anspielungen auf die Bildwelten der chinesischen Landschaftsmalerei zu entdecken, etwa wenn sich ein d\u00fcrrer, knorriger Baum im Vordergrund zeigt oder Felsen den Rand des Bildes rahmen. Auch das Motiv des Flusses, der sich durch das Bild zieht, ist als beliebtes Motiv zur Tuschmalerei zu z\u00e4hlen. Die Maler des alten China schilderten Landschaft oft mithilfe eines hohen Grades von farblicher und formaler Reduktion \u2013 Wang hat diese Art mitunter \u00fcbernommen und deutet einige ihrer Motive nur durch K\u00fcrzel an. Als Unterschied zur Tuschmalerei w\u00e4re auf die starke farbliche F\u00fclle und Expressivit\u00e4t hinzuweisen, die Wangs Bilder \u00fcberzieht \u2013 im Medium der Tuschmalerei scheinen hingegen leer gelassene Stellen des Blattes neben der schwarzen Farbe eine zentrale Rolle zu spielen.<\/p>\n<p>Was ebenfalls auf die chinesische Kultur verweist, ist die Vielzahl von Tieren (besonders V\u00f6gel), die in Wangs Gem\u00e4lden immer wieder auftauchen und die jeweils eine besondere Bedeutung tragen. So k\u00f6nnen etwa Raben wahrnehmen, was Menschen nicht sehen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend der Kranich wiederum f\u00fcr ein langes Leben stehen kann.<\/p>\n<p>Nach Vorstellung der alten chinesischen Philosophie teilen Menschen mit der sie umgebenden Welt eine tiefe Verbindung, verschmelzen und werden eins mit ihr. Wangs Gem\u00e4lde scheinen diese Beziehung zu illustrieren, etwa wenn Figuren zerflie\u00dfen und in ihre Umgebung auslaufen, sich mit ihr vermischen (dem gegen\u00fcber steht jedoch die emotionale Isolation vieler ihrer Figuren). Von einem Werk der chinesischen Tuschmalerei wird gefordert, dass es <em>Qi <\/em>besitzen soll, was soviel wie (Eigen)Leben oder Energie bedeutet. Die Malerei von Yun Wang hat Teil an dieser Lebensenergie, konfrontiert die Betrachtenden damit und l\u00e4sst sie auf diese \u00fcberspringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Ausbildung:<\/b><\/p>\n<p>seit 10\/2018 Masterlehrgang an der Universit\u00e4t f\u00fcr angewandten Kunst: Kunst- und<br \/>\nKulturmanagement<\/p>\n<p>2004 \u2013 2013 Studium an der Akademie der bildenden K\u00fcnste Wien bei Prof.\u00a0 Daniel Richter: Malerei<br \/>\nAbschluss mit Mag.art.<\/p>\n<p>2002 \u2013 2003 Studium am Konservatorium der Stadt Wien: Operngesang<\/p>\n<p>2001 \u2013 2002 Shenyang Conservatory of Music, China<\/p>\n<p>1995 \u2013 2001 Mittelschule und Kunstschule mit Maturaabschluss (Klavier, Malerei, Gesang) in Changchun, China<\/p>\n<p>Text: Gabriel Hubmann<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5056,"template":"","tags":[],"class_list":["post-5055","artist","type-artist","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/artist\/5055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/artist"}],"about":[{"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/artist"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/artist\/5055\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5058,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/artist\/5055\/revisions\/5058"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}