{"id":3465,"date":"2022-08-16T16:58:06","date_gmt":"2022-08-16T14:58:06","guid":{"rendered":"https:\/\/galerie-klaus-benden.de\/?post_type=exhibition&#038;p=3465"},"modified":"2022-09-28T14:04:42","modified_gmt":"2022-09-28T12:04:42","slug":"unique-works-christo-und-jeanne-claude","status":"publish","type":"exhibition","link":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/exhibition\/unique-works-christo-und-jeanne-claude\/","title":{"rendered":"Unique Works CHRISTO und JEANNE-CLAUDE"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3608 alignright\" src=\"https:\/\/galerie-klaus-benden.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/galerie-klaus-benden-christo-packed-roses-e-1-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/galerie-klaus-benden-christo-packed-roses-e-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/galerie-klaus-benden-christo-packed-roses-e-1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/galerie-klaus-benden-christo-packed-roses-e-1-768x1152.jpg 768w, https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/galerie-klaus-benden-christo-packed-roses-e-1-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/galerie-klaus-benden-christo-packed-roses-e-1-1365x2048.jpg 1365w, https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/galerie-klaus-benden-christo-packed-roses-e-1-scaled.jpg 1706w\" sizes=\"auto, (max-width: 1706px) 100vw, 1706px\" \/><\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Erlebnisse dauerten nie l\u00e4nger als zwei, drei Wochen. Dann fielen die H\u00fcllen vom Berliner Reichstag wieder, dann verschwanden die pinkfarbenen S\u00e4ume um Inseln vor Miami und die schwimmenden Stege im Iseo-See. Millionen von Menschen staunten \u00fcber die spektakul\u00e4ren Projekte, die das K\u00fcnstlerpaar Christo und Jeanne-Claude in die Welt setzte. F\u00fcr jeden zug\u00e4nglich, un\u00fcbersehbar. Und verg\u00e4nglich. \u201eNiemand kann diese Projekte kaufen, niemand sie besitzen, niemand Eintritt verlangen\u201c, sagte Christo, der gerne damit kokettierte, dass seine Ideen vollkommen \u201euseless\u201c, nutzlos, w\u00e4ren. Es gab in der Tat keinen praktischen und keinen wirtschaftlichen Nutzen, nur die K\u00fchnheit des Gedankens: \u201eUnser Werk handelt von Freiheit\u201c, stellten die beiden mit Stolz fest.<\/p>\n<p>Doch auch Freiheit hat nat\u00fcrlich einen Preis. Die Installation der fl\u00fcchtigen Attraktionen kostete Millionen. Da Christo, um glaubw\u00fcrdig zu bleiben, alle Subventionen ablehnte und keinerlei kommerzielle Verbindungen akzeptierte, mussten seine Frau und er die Finanzierungen selbst erwirtschaften \u2013 mit einer F\u00fclle von Zeichnungen, Grafiken, Fotografien, Collagen, die zum Teil schon w\u00e4hrend der Planung entstanden. Diese kleinen Werke kamen auf den Markt und ber\u00fchren Betrachter als k\u00fcnstlerische Erinnerung an ph\u00e4nomenale Ereignisse.<\/p>\n<p>Seltener sind Objekte aus Christos fr\u00fcherer Zeit, als er die Idee der Verh\u00fcllung entdeckte: die \u201ePacked Roses\u201c zum Beispiel, Plastikblumen, die er Ende der 1960er-Jahre in Folie wickelte und kunstvoll verschn\u00fcrte. Auch mit Dosen und Flaschen hatte er das bereits ausprobiert \u2013 und sogar mit einem VW-K\u00e4fer, den er 1963 in der legend\u00e4ren D\u00fcsseldorfer Avantgarde-Galerie Schmela pr\u00e4sentierte. Christo war fasziniert von der Entfremdung und zugleich Betonung einer Form. Und er hatte die Frau gefunden, die ihm leidenschaftlich zur Seite stand \u2013 im Leben und in der Kunst.<\/p>\n<p>Jeanne-Claude Denat de Guillebon stammte aus einer gehobenen franz\u00f6sischen Milit\u00e4rfamilie und war in Casablanca geboren \u2013 zuf\u00e4llig oder schicksalhaft am selben Tag wie Christo Wladimirow Jawaschew: dem 13. Juni 1935. Christo kam aus Bulgarien, Sohn eines Chemiefabrikanten, der nach dem Zweiten Weltkrieg vom kommunistischen Regime schikaniert und enteignet wurde. Nach ein paar Semestern Kunststudium an der Akademie von Sofia entfloh der junge Mann dem Land und ging \u00fcber Wien nach Paris, wo er sein Geld als Portr\u00e4tmaler Jawaschew verdiente. Zu seinen Kundinnen geh\u00f6rte die Gattin eines Generals, die eine temperamentvolle Tochter hatte: Jeanne-Claude. Und obgleich sie noch wie geplant ihren Verlobten heiratete, war die Amour zu Christo st\u00e4rker. 1960 kam Sohn Cyril zur Welt. Und auch die Kunst betrachteten sie fortan als ihr gemeinsames Kind. Jeanne-Claude bezeichnete die Realisierung eines Projekts gern als Geburt.<\/p>\n<p>Die Ideen wuchsen \u2013 und trotzten auch dem Scheitern. Die Unbeirrbarkeit von Christo und Jeanne-Claude passte zur Tatkraft ihrer Wahlheimat Amerika. Obgleich der \u201eValley Curtain\u201c, ein gigantischer Vorhang, \u00fcber einem Tal in die Rocky Mountains 1972 vom Wind zerfetzt wurde und nur auf den Fotografien von Wolfgang Volz gesehen werden konnte, entwickelten die beiden neue Ideen und gaben verr\u00fcckten Tr\u00e4umen mit harter Planung eine Gestalt in der Realit\u00e4t. Gegen allen beh\u00f6rdlichen Widerstand zogen sie 1976 einen fast 40 Kilometer langen, flatternden Zaun aus Stoffen (\u201eRunning Fence\u201c) durch die kalifornische Pr\u00e4rie. \u201eIch liebe die realen Dinge\u201c, bemerkte Christo im Alter, \u201erealen Wind, reale Trockenheit, reale N\u00e4sse, reale Angst, reale Freude.\u201c<\/p>\n<p>Und genau das war das Erfolgsgeheimnis des weltber\u00fchmten Paares. Ihre Werke wurden zu Ph\u00e4nomenen in der Wirklichkeit, gefeiert von den Massenmedien, erlebbar auch von Menschen, die nie in ein Museum gehen oder bei Vernissagen kenntnisreich \u00fcber Kunst plaudern. Als Christo und Jeanne-Claude 1983 mit 500 Helfern pinkfarbene S\u00e4ume aus Polypropylen um elf unbewohnte Inseln in der Biscayne Bay vor Miami gelegt hatten, verzauberte die Sch\u00f6nheit des Projekts das Lebensgef\u00fchl in der damals stark kriminalisierten Metropole des Sunshine-Staates Florida. Mit R\u00fchrung betrachtet man heute die subtilen Zeichnungen, die Christo in der Vorbereitungszeit angefertigt hat.<\/p>\n<p>Das Paar war nicht aufzuhalten. Christo und Jeanne-Claude verh\u00fcllten in Paris die Seine-Br\u00fccke Pont Neuf (1985), stellten in Japan und Kalifornien einige tausend leuchtender Schirme auf (\u201eThe Umbrellas\u201c, 1990) und verh\u00fcllten 1992 nach 23 Jahren der Planung und unerm\u00fcdlichen Diskussionen mit Politik und Beh\u00f6rden den Berliner Reichstag, obwohl sogar Bundeskanzler Helmut Kohl dagegen war. Gesch\u00e4tzte f\u00fcnf Millionen Besucher bestaunten die gl\u00e4nzende H\u00fclle aus alubeschichtetem Polypropylen, hergestellt von der m\u00fcnsterl\u00e4ndischen Firma Schilgen. St\u00fccke dieses Stoffs wurden wie Reliquien verteilt, bewahrt und in Collagen verarbeitet.<\/p>\n<p>Als Jeanne-Claude 2009 mit 74 Jahren an einem Aneurysma starb, erwarteten viele, dass Christo den Mut verlieren w\u00fcrde. Doch er machte weiter: \u201eJeanne-Claude ist immer bei mir.\u201c 2016 gelang ihm eins der bet\u00f6rendsten Projekte: die \u201eFloating Piers\u201c, drei Kilometer lange, mit leuchtendem gelben Stoff bespannte schwimmende Stege auf dem italienischen Iseo-See. Etwa 1,3 Millionen faszinierter Menschen konnten dank Christo \u00fcber das Wasser bis zur Insel Monte Isola wandern und werden das Erlebnis sicher nie vergessen. Die Erinnerung wird zur eigenst\u00e4ndigen Kunst in besonders sch\u00f6nen zeichnerischen und grafischen Arbeiten, die Christo hinterlie\u00df.<\/p>\n<p>Und schon plante er Neues. 2018 lie\u00df er eine \u201eMastaba\u201c, das ist ein \u00e4gyptisches Grabmal in Form einer Pyramide ohne Spitze, in einem See im Londoner Hyde-Park schwimmen. Das Objekt bestand aus 7506 leeren, rot und blau lackierten \u00d6lf\u00e4ssern und ist die kleinere Version einer Mastaba aus 410 000 F\u00e4ssern, die Christo und Jeanne-Claude in den W\u00fcstensand von Abu Dhabi setzen wollten \u2013 was wegen der schwierigen politischen Lage nie gelang.<\/p>\n<p>Bei aller Entschiedenheit konnte Christo auch loslassen. Von dem bet\u00f6renden Projekt \u201eOver the River\u201c, der \u00dcberspannung des durch Colorado flie\u00dfenden Arkansas Rivers mit frei schwebenden silbernen Geweben, nahm er 2017 nach einem nervenzehrenden Genehmigungsverfahren selbst Abstand. Nicht nur die gesch\u00e4tzten 50 Millionen Dollar f\u00fcr die Verwirklichung schreckten ihn ab, sondern vor allem der Wahlsieg von Donald Trump. Die US-Regierung w\u00e4re rechtlich der Vermieter des Flusses gewesen. Und: \u201eIch kann kein Projekt machen, dass diesem Vermieter zugute kommt\u201c, erkl\u00e4rte Christo deutlich. So lebt das Werk \u201eOver the River\u201c nur seinen ebenso zarten wie k\u00fchnen Zeichnungen, Fotografien und Collagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Christo, der Vision\u00e4r und Macher, starb mit 84 Jahren im Mai 2020 in New York, zehn Jahre nach seiner geliebten Jeanne-Claude. Er hatte bis zuletzt an einem lang ersehnten Projekt gearbeitet, das wegen der Corona-Pandemie erst posthum verwirklicht werden sollte: die Verh\u00fcllung des Pariser Arc de Triomphe mit einem silbergl\u00e4nzenden Stoff und roten Schn\u00fcren. Christos Neffe Wladimir Jawaschew sorgte daf\u00fcr, dass der Plan, den sich Jeanne-Claude und Christo bereits seit 1961 ausgemalt hatten, tats\u00e4chlich noch Wahrheit wurde. Ein gl\u00e4nzender Trost f\u00fcr die Menschen in wirren und dunklen Zeiten.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3460,"template":"","tags":[],"class_list":["post-3465","exhibition","type-exhibition","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition\/3465","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition"}],"about":[{"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/exhibition"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition\/3465\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3642,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/exhibition\/3465\/revisions\/3642"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3460"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3465"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/galerie-benden-ackermann.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3465"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}